Datenaustausch für Kommunen: EfA-Dienste über die Sozialplattform anbinden

Für durchgängige digitale Verwaltungsleistungen brauchen Kommunen eine Infrastruktur, die Serviceportale, EfA-Dienste und kommunale Fachverfahren über Organisations- und Ländergrenzen hinweg miteinander verbindet. Mit der Zentralen Datenaustausch Infrastruktur (ZDI) entwickelte 7P eine technische Grundlage für genau diese Anforderungen. Erfahren Sie, wie ZDI für die Sozialplattform in Nordrhein-Westfalen eingesetzt wurde, welche Integrations- und Betriebsleistungen dafür erforderlich waren und welches Potenzial die Lösung für weitere digitale Verwaltungsverfahren bietet.
Öffentliche Verwaltung

Ausgangslage: Vom Papierantrag zum digitalen Zugang

In Nordrhein-Westfalen mussten Anträge auf Hilfe zum Lebensunterhalt (HzL) bislang in Papierform eingereicht werden. Die vorhandenen Fachverfahren konnten Anträge zwar digital verarbeiten, jedoch nur innerhalb der jeweils eigenen Organisation. Eine behörden- und länderübergreifende Weiterleitung und Bearbeitung waren nicht möglich.

Es fehlte eine zentrale Infrastruktur, die Serviceportale, Fachverfahren und zuständige Behörden sicher miteinander verbindet. Unterschiedliche Schnittstellen, Datenschemata und Transportprotokolle erschwerten eine durchgängige digitale Abwicklung und erzeugten Medienbrüche sowie erhöhten manuellen Aufwand in der Antragsbearbeitung.

Um einen zentralen digitalen Zugang zu ermöglichen, beschloss das Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS), einen Einer-für-Alle-Dienst (EfA-Dienst) für die behörden- und länderübergreifende Bearbeitung von Anträgen zu entwickeln und dafür die Sozialplattform als zentralen digitalen Zugang für Bürgerinnen und Bürger aufzubauen. Dafür benötigte es eine zentrale Datenaustauschplattform, mit deren Umsetzung SEVEN PRINCIPLES (7P) beauftragt wurde. Das Unternehmen brachte bereits mehrjährige Erfahrung mit der Integration heterogener Verwaltungssysteme und dem Aufbau interoperabler Datenaustauschlösungen im öffentlichen Sektor mit.

Lösung: Eine Infrastruktur für behördenübergreifende Kommunikation

7P entwickelte die Zentrale Datenaustausch Infrastruktur (ZDI) als Integrations- und Vermittlungsschicht zwischen EfA-Diensten, der Sozialplattform und den angeschlossenen Fachverfahren. Die ZDI nimmt Nachrichten entgegen, validiert und verarbeitet sie, ermittelt den zuständigen Empfänger anhand von Routinginformationen und übergibt die Daten über den jeweils erforderlichen Kommunikationsweg.

Für die Anbindung der EfA-Dienste integrierte 7P OSCI und FIT-Connect. Die ZDI stellt XTA2-Postkörbe bereit, kommuniziert mit OSCI-Clearingstellen und wandelt Fachnachrichten von XTA2 nach OSCI oder FITConnect um – einschließlich verfahrensspezifischer Parameter.

Über die Anbindung des Deutschen Verwaltungsdiensteverzeichnisses (DVDV) werden Routinginformationen automatisiert abgefragt, was manuelle Pflegeaufwände reduziert. Die BundID wurde als Rückkanal angebunden, sodass Bürgerinnen und Bürger Antragskopien und Versandberichte direkt digital erhalten.

FIM-Methodik und XÖV-Standards stellen sicher, dass Daten zwischen den beteiligten Behörden einheitlich verarbeitet und ausgetauscht werden können – unabhängig von den jeweils eingesetzten Fachverfahren. Ergänzend implementierte 7P Routing-, Validierungs-, Logging- und Monitoring-Funktionen, die eine lückenlose Nachverfolgung jeder Nachricht ermöglichen. 7P verantwortete außerdem CI/CD-Pipelines, das Deployment in den Zielumgebungen sowie den laufenden Betrieb inklusive Second-Level-Support gemäß vereinbarter Service-Level-Agreements.

Kernfunktionen:

Entgegennahme und Validierung von Nachrichten

Ermittlung des zuständigen Empfängers

Routing über den jeweils erforderlichen Kommunikationsweg

Verarbeitung und Übergabe an nachgelagerte Fachverfahren

Die wichtigsten technischen Anbindungen:

OSCI und OSCI-Clearingstellen

XTA2-Postkörbe und Formatumwandlung

FIT-Connect als alternativer Versandweg

DVDV und BundID als ergänzende Anbindungen

Ergebnis: Durchgängiger Nachrichtenaustausch mit Perspektive



Die ZDI ermöglicht es, Nachrichten strukturiert, sicher und nachvollziehbar zwischen Online-Portal und kommunalen Systemen zu verarbeiten – auch über Organisations- und Ländergrenzen hinweg. Nachrichten werden bei Bedarf in das erforderliche Format umgewandelt und ihr Verarbeitungsstatus ist durchgängig einsehbar. Treten Verzögerungen oder Fehler bei der Weiterleitung auf, lassen sich Ursachen gezielt identifizieren, ohne manuell in mehreren Systemen suchen zu müssen. Die Sozialplattform diente als Pilotprojekt. Auf dieser Grundlage kann die ZDI perspektivisch weitere Anträge behörden- und länderübergreifend weiterleiten.

Nachdem die Sozialplattform als Pilotprojekt mit dem Versand von Anträgen auf Hilfe zum Lebensunterhalt gestartet ist, wurden inzwischen viele weitere Leistungen über die ZDI angebunden. Darüber hinaus ist die Lösung anschlussfähig für zukünftige Anforderungen der Registermodernisierung: Ist ein EfA-Dienst einmal an die ZDI angebunden, kann dieselbe Infrastruktur auch für die Anbindung des NOOTS über das SAK (Sichere Anschlussknoten) genutzt werden. Damit schafft das Projekt eine wiederverwendbare Grundlage für interoperable und medienbrucharme Verwaltungsprozesse über den konkreten Anwendungsfall hinaus.

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Ein Portrait unseres Ansprechpartners für Digitale Verwaltung, Stefan Stiel.
Stefan Stiel
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