Warum Automated Discovery allein keine gute CMDB sicherstellt

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Softwareentwicklung

Der erste Teil der Beitragsreihe hat den Fokus auf ein typisches Muster in CMDB-Projekten gelegt: Die Tool-Frage wird häufig zu früh gestellt. Der zweite Teil knüpft daran an und betrachtet einen angrenzenden Aspekt. Wenn Datenmodell, Prozesse und Anbindungen einer CMDB definiert sind, stellt sich die praktische Folgefrage: Wie werden Configuration Items und ihre Beziehungen aktuell gehalten?

In vielen Fällen fällt die Antwort auf Automated Discovery. Die zugrunde liegende Annahme ist nachvollziehbar: Wenn Systeme automatisiert erkannt und ausgelesen werden, müsste sich die Datenpflege in der CMDB deutlich vereinfachen. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass automatisierte Discovery zwar relevant ist, die Qualität und Nutzbarkeit einer CMDB aber nicht allein daraus folgt.

Was sind Automated-Discovery-Tools?

Ein Automated-Discovery-Tool besteht vereinfacht aus vier funktionalen Bausteinen.

  • KommunikationsprotokolleSie bestimmen, wie Zielsysteme erreicht werden, beispielsweise über SSH, WMI, HTTP(S) oder verschiedene APIs.
  • Query Scripts
    Diese Skripte enthalten die Logik zur Abfrage von Informationen aus dem Zielsystem. Das Ergebnis sind zunächst Rohdaten, die noch nicht unmittelbar für die CMDB verwendet werden können, aber alles für die Transformationsphase vorbereiten.
  • Transformation Scripts
    Auf Basis der abgefragten Daten erfolgen Validierungs- und Aufbereitungsschritte. Dazu gehören beispielsweise Reconciliation, also die Prüfung, ob ein CI bereits vorhanden ist und nur aktualisiert werden muss, oder die Einbindung weiterer Quellen im Sinne einer Federation. Anschließend liegen die Daten in einer Form vor, die für die Übernahme in die CMDB geeignet ist.
  • Load to CMDB
    Im letzten Schritt werden die verarbeiteten Daten in die CMDB überführt. Dabei erfolgen, je nach Ergebnis, CRUD-Operationen auf dem zugrunde liegenden Datenmodell. Danach stehen die Informationen den Prozessen zur Verfügung, die auf der CMDB aufbauen.

Hinzu kommt, dass viele Enterprise-Discovery-Tools bereits Unterstützung für verbreitete Technologien über verschiedene Ebenen der Infrastruktur hinweg mitbringen und sich in vielen Fällen erweitern lassen.

Warum Standardmechanismen in realen Infrastrukturen oft nicht ausreichen

Die Wirksamkeit automatisierter Discovery hängt davon ab, wie stark die zu erfassenden Elemente standardisiert sind. In der Praxis tritt häufig das Problem ein, dass Unternehmensinfrastrukturen in der Regel nicht vollständig standardisiert sind. Anpassungen und Abweichungen finden sich oft auf mehreren Ebenen, beispielsweise im Betriebssystem, in Middleware-Komponenten oder Schnittstellen sowie in betriebsspezifischen Konfigurationen.

Dementsprechend stößt die Standardlogik eines Discovery-Tools schnell an ihre Grenzen. Dabei zeigen sich typischerweise zwei Muster. Entweder die vorhandene Logik liefert nicht die tatsächlich benötigten Informationen oder sie erzeugt Datenmengen, die für die CMDB keinen ausreichenden Mehrwert haben.

Beides erzeugt zusätzlichen, teils erheblichen Aufwand, da die Discovery-Mechanismen angepasst, erweitert oder durch andere Quellen ergänzt werden müssen. Weiterhin können Updates des Discovery-Tools Auswirkungen auf individuell angepasste Bereiche haben, sodass sich ein fortlaufender Pflegeaufwand ergibt.

CMDB Discovery Framework statt Discovery-Tool

Vergleich von Discovery-Ansätzen für CMDB

Unsere Erfahrung aus CMDB-Projekten zeigt; wenn die Standardmechanismen eines Discovery-Tools an ihre Grenzen stoßen, ist es in der Regel nicht zielführend, das Werkzeug immer weiter an die Gegebenheiten der eigenen Infrastruktur anzupassen. Sinnvoller ist es, mit dem Tool zu arbeiten und fehlende Informationen aus anderen verlässlichen Quellen zu ergänzen.

Anstatt sich auf ein einzelnes Discovery-Tool zu verlassen, ist es häufig zielführender, in Kategorien eines CMDB-Discovery-Frameworks zu denken. Für den Aufbau eines solchen Frameworks sind mehrere Aspekte relevant.

Architektur und Discovery-Mechanismen

Zu Beginn steht die Frage nach den relevanten Datenquellen. Nicht jede Information muss neu erhoben werden, wenn sie in anderen Systemen bereits belastbar vorliegt. Aus diesem Grund ist es hilfreich, bestehende Tools oder Plattformen zu prüfen.

Je nach Umgebung kann ein agentenbasierter, agentenloser oder kombinierter Ansatz sinnvoll sein. Maßgeblich ist, die jeweils geeignetste Quelle für die benötigten Informationen zu nutzen.

Protokolle und Berechtigungen

Security-Vorgaben beeinflussen Discovery-Vorhaben häufig stärker als die Logik des Tools. Deshalb sollten frühzeitig die zu verwendenden Protokolle sowie die verfügbaren Zugriffe inklusive Berechtigungen technischer Abfragen geklärt werden.

Bei Einschränkungen an dieser Stelle ist es sinnvoll, zur Quellenansicht und Architektur zurückzukehren. Oft müssen dann andere Datenquellen oder alternative Erhebungswege eingeplant werden.

Scope und CI-Typen

In Discovery-Vorhaben gilt oft das Pareto-Prinzip. So betreffen rund 80 % der benötigten Informationen nur etwa 20 % der relevanten CI-Typen. Gerade deshalb lohnt es sich, früh festzulegen, welche Attribute tatsächlich gepflegt werden müssen.

Ohne diese Eingrenzung steigt der Aufwand schnell, während der fachliche Nutzen nicht im gleichen Maß zunimmt.

Datenqualität

Ein Discovery-Framework ist eine fortlaufende Aufgabe, da alle gepflegten Daten regelmäßig überprüft werden müssen, damit sie für nachgelagerte Prozesse verwendbar bleiben.

Zur Datenqualität gehören neben der Vollständigkeit auch Aktualität, Konsistenz sowie Nachvollziehbarkeit der Informationen.

Integration und Consumption

Die verarbeiteten Daten müssen technisch übertragen und nachvollziehbar konsumiert werden können. Zu diesem Zwecke empfiehlt sich ein Mechanismus, der veranschaulicht, ob die Übergabe erfolgreich war und die Informationen in der Zielstruktur wie vorgesehen eingetroffen sind.

Erst wenn diese letzte Strecke stabil funktioniert, kann die Datenerhebung einen belastbaren Beitrag zur Pflege der CMDB leisten.

Die Discovery-Tool-Auswahl ist nur ein Teil der Lösung

In diesem Zusammenhang ist die Entscheidung für ein bestimmtes Tool relevant, aber nicht allein ausschlaggebend. Grundsätzlich können verschiedene Lösungen vergleichbare Ergebnisse liefern, wenn sie passend zum Bedarf eingesetzt werden.

Ob eine kommerzielle Lösung oder ein Open-Source-Ansatz besser geeignet ist, hängt weniger von der Qualität des Tools selbst als von den Anforderungen der jeweiligen CMDB, der vorhandenen Infrastruktur und den organisatorischen Rahmenbedingungen ab.

Worauf es bei Discovery in der CMDB ankommt

Automatisierte Discovery erleichtert die Erfassung und Aktualisierung von CI-Daten. Eine belastbare und nutzbare CMDB ergibt sich daraus jedoch nicht automatisch. Standardmechanismen stoßen insbesondere dort an ihre Grenzen, wo Infrastrukturen von individuellen Anpassungen geprägt sind.

Es ist daher sinnvoll, den Blick über das einzelne Tool hinaus zu richten. Wenn Discovery als eigenständige Aufgabe mit klaren Datenquellen, definiertem Scope, abgestimmten Sicherheitsvorgaben, laufender Qualitätskontrolle und verlässlicher Integration betrachtet wird, lässt sich die Datenpflege in der CMDB deutlich zielgerichteter organisieren.

Im dritten Teil dieser Beitragsreihe erfolgt die begriffliche und konzeptionelle Einordnung zentraler Strukturen im CMDB-Umfeld. Dazu gehören unter anderem CMDB, CMS und SKMS.

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